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Artikel
Datum:2010-11-05
Erschienen:Amtliches Mitteilungsblatt der Gemeinde Eitorf
Autor:FDP-Ortsverband Eitorf
Inhalt:Schulentwicklung



Schulentwicklung

Schulentwicklung an der Oberen Sieg I – die Situation

Liebe Eitorferinnen und Eitorfer,

vor dem Hintergrund sinkender Schülerzahlen und Forderungen nach einer Gesamtschule an der oberen Sieg hatte der Schulausschuss den Auftrag erteilt, den zuletzt 1996 aktualisierten Schulentwicklungsplan gemeinsam mit den Gemeinden Windeck und Ruppichteroth fortschreiben zu lassen. Die Vorstellung des Berichts war für Ende November geplant. Bereits die erste grobe Auswertung durch die beauftragte Firma komplan ergab, dass die Hauptschule in Ruppichteroth bereits ab dem nächsten Jahr in ihrem Bestand gefährdet ist und dort dringendst gehandelt werden muss. Aus diesem Grund wurde das Planungsbüro gebeten, einen ersten, noch unvollständigen Zwischenbericht bereits am letzten Mittwoch und Donnerstag in Sondersitzungen der Schulausschüsse aller drei Gemeinden zu präsentieren.
Das vorläufige Ergebnis besagt im Wesentlichen Folgendes:
Die Grundschulen der Gemeinde Eitorf sind mittelfristig im Bestand nicht gefährdet, einzig Mühleip könnte in den nächsten Jahren Probleme bekommen. Das würde aber nicht zu einer Schließung des Standorts führen, sondern höchstens zu einer Kooperation mit einer anderen Grundschule.
Sowohl für das Siegtal-Gymnasium als auch für das Bodelschwingh-Gymnasium in Herchen wird eine günstige Prognose abgegeben, Probleme mit den Schülerzahlen sind nicht in Sicht.
Differenzierter ist die Lage bei der Sekundarstufe I: Die Hauptschule in Ruppichteroth ist akut gefährdet, die Hauptschulen in Rosbach und Eitorf mittelfristig nicht, auf längere Sicht aber werden auch dort die Schülerzahlen nicht mehr ausreichen. Die Realschule in Herchen ist auf mittlere Sicht mit den Schülern aus Eitorf und Windeck (z.Zt. je 50%) gesichert.

Schulentwicklung II – was die anderen planen

Alle drei Gemeinden wollen ihre Schulstandorte erhalten, zumal einige Schulen in sehr gutem baulichem Zustand sind. Das Schulministerium lässt aus verschiedenen Gründen den Aufbau einer Gesamtschule an mehr als zwei Standorten nicht zu. Ruppichteroth hat sich daher aus der gemeinsamen Planung verabschiedet und wird nun mit Much oder Nümbrecht ins Geschäft kommen.
Im Schulausschuss der Gemeinde Windeck wurde über den weiteren Weg heftig diskutiert. Während CDU und FDP dort keinen dringenden Handlungsbedarf sehen und die Entscheidung in Ruhe angehen wollten, setzten SPD und Grüne mit 8:7 Stimmen durch, dass schleunigst ein Antrag vorbereitet und gestellt wird, um sich an einem „Modellversuch“ zu beteiligen.
Die rot-grüne Landesregierung bietet für insgesamt 50 Gemeinden an, in den Jahren 2011/12 die im Schulgesetz nicht vorgesehene sogenannte „Gemeinschaftsschule“ als Modellversuch für vorerst sechs Jahre zu erproben. In dieser neuen, von rot-grün entworfenen Schulform gehen in der Regel Real- und Hauptschulen auf. Mindestens in den Klassen fünf und sechs (Zielvorstellung: in allen Klassen) werden die Schüler unabhängig vom angestrebten Schulabschluss gemeinsam unterrichtet; “der Unterricht in der Doppeljahrgangsstufe 5/6 orientiert sich an den Lehrplänen des Gymnasiums“, so der Leitfaden des Ministeriums. Langfristig sollen in dieser Schulform durch „Inklusion“ der Behinderten auch deren Förderung sichergestellt werden. Verpflichtender Ganztagsbetrieb, deutlich kleinere Klassen und mehr Lehrer - auch als an einer Gesamtschule, bessere Besoldung der Lehrer als an Hauptschulen, finanzielle Zuschüsse und das Anbieten aller Abschlüsse sollen die Schulform so attraktiv machen, dass möglichst viele Gemeinden sich schnell dafür entscheiden. Der Windecker SPD-Bürgermeister Funke nennt sie eine „Eierlegende Wollmilchsau“ (Rundschau vom 30.10.).

Schulentwicklung III – wie sieht es in Eitorf aus?

Der Schulausschuss in Eitorf hatte an dieses neue Konzept noch zu viele Fragen, um sich adhoc entschließen zu wollen. Zu diesen Fragen gehört auch, dass ja ursprünglich die Machbarkeit einer Gesamtschule geprüft werden sollte, die Gymnasien nicht gefährdet werden dürfen und die Leistungen der Eitorfer Hauptschule nach übereinstimmender Meinung viel besser sind, als der in Deutschland über Hauptschulen verbreitete Ruf vermuten lässt. Einstimmig beschlossen alle Parteien, sich erst einmal intensiv mit den Details des Berichtes zu befassen, konkrete Möglichkeiten zur Schulentwicklung – auch gemeinsam mit Windeck – zu diskutieren und sich dann bei der nächsten Sitzung zum ursprünglich geplanten Termin am 20.11. sachkundig mit dem Thema zu befassen. Anders als in Windeck wird hier kein akuter Entscheidungsbedarf gesehen, und auch vom zeitlich bis Ende des Jahres befristeten Angebot des NRW-Schulministeriums zur Teilnahme am Modellversuch will sich hier niemand unter Druck setzen lassen. Zudem muss die Zukunft unserer Schulen breiter in der Öffentlichkeit diskutiert werden können, als es in Windeck jetzt möglich ist.

Schulentwicklung IV – der Standpunkt der FDP Eitorf

  • Das Gymnasium muss erhalten bleiben
  • Gemäß einer Schulbefragung in 2009 zielte der Elternwille auf die Einrichtung einer Gesamtschule - nicht Gemeinschaftsschule. Deren Machbarkeit muss von komplan geprüft werden.
  • Das Konzept für eine Gemeinschaftsschule ist noch etwas vage. In der Umsetzung (z.B. Übertritt in die Sek II) scheint Vieles noch nicht ausreichend geklärt. Wir, die  FDP Eitorf, stellen relevante Fragen zur Konzeption der Gemeinschaftsschule und wollen klare Antworten vom Schulministerium, bevor wir zu etwas "ja" sagen.
  • Wir sind nicht zögerlich oder ideologisch verblendet, aber wir möchten unsere Schülerinnen und Schüler nicht in "Experimente" schicken, deren Ausgang ungewiss ist!
  • Wir halten ein fundiertes Konzept für nötig, wenn wir unsere Schulstruktur weiterentwickeln wollen. Ohne dieses überzeugende Konzept wird die obere Sieg keine Chance haben, 2012/2013 als Modellstandort ausgewählt zu werden.
  • Der Wechsel in der Schulstruktur schon zum nächsten Schuljahr 2011/2012 ist von keiner Partei in Eitorf oder Windeck vorgesehen.

Ihre FDP Eitorf



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